Unser Leben mit J.

Vor 15 Jahren erfüllte sich unser Kinder- Wunsch und wir konnten nach sehr kurzer Anbahnung unsere J. im Alter von 5 Jahren zu uns nachhause holen.


Ohne weiteres Hintergrundwissen ..ohne jegliche Unterlagen zu kennen.


Das einzige was wir wussten, es hatte bisher eine Rückführung aus einer PF, eine Anbahnung und drei Heimaufenthalte gegeben.




Ein großer Schritt, denn wir waren kinderlos ..zudem beide selbstständig.


Unsere Maus stellte binnen Stunden unser Leben sofort auf den Kopf, doch wir waren sooo glücklich, das wir das „was anders als bei anderen war“ eine Weile nicht bemerkten oder bemerken wollten.




In der Folgezeit jedoch kristallisierten sich starke Probleme aus, wie aggressive Wutanfälle, Schreiattacken und dem Hang zur ausgeprägten Essstörung, in der wir uns professionelle Hilfe holen mussten.


Nach langen Wegen, Therapien und Untersuchungen sowie Psychiatrieaufenthalten und der Tagesklinik wurde uns bescheinigt, wir haben ein traumatisiertes FAS - Kind ..mit Missbrauch und Misshandlung im Hintergrund.


Zudem ein IQ von nur 56…




Eine schreckliche Diagnose, doch jetzt konnten wir gezielt Therapien und anderes angehen.




Unser Kind lernte das Gitarrenspiel, ging reiten und erlernte das Segeln.


Alles oft mit Übereifer ..dann wieder maulend und lustlos.


Sie war und blieb „anders“.




Sie quälte unseren Hund, setzte ihr Zimmer in Brand ..bescherte uns einen THW-Einsatz, weil sie unbemerkt Tage zuvor unsere Gefriertruhe in der Vorratskammer abgestellt hatte….und die Truhe fast von allein zur Tür gelaufen kam.




Aber wir schafften es für uns eine Lebensform zu finden, die vielleicht anders als die anderer Familien war ..aber es klappte.




Nach großen Schwierigkeiten in der Gesamtschule entschieden wir uns zur Umschulung in die Kleinklasse einer Waldorfschule.


Doch auch dort „funktionierte“ unser Kind zuerst nur aggressiv ..schlug, beteiligte sich an nichts und hatte keine Freunde.


J. klaute Essen und andere völlig unnütze Dinge ..log das sich die Balken bogen.


Verließ die Schule, wann sie es für richtig hielt…und und und.




Zudem blieb sie bis sie erwachsen wurde nie allein ..hatte große Angst vor der Dunkelheit.


Wir waren angebunden ..angebunden an J. die wie eine Klette kaum einen Schritt ohne uns tat.




Unsere Belastung stieg ins unermessliche ..und ich dachte mehr als einmal daran aufzugeben, auch mal wieder zu leben.


Als die Diagnose Borderline dazu kam, reagierte auch mein Körper mit Gürtelrose, Hörsturz etc.


Wieder suchten wir nach Hilfsmöglichkeiten ..ohne unser Kind „kaputt zu therapieren“, und fanden diese in Form von Kunst/ und Musiktherapie.




J. war zwar nie die „tolle“ Freundin, aber sie wurde akzeptiertes Mitglied der Klassengemeinschaft.


Von Lehrern gemocht, wegen ihrer Hilfsbereitschaft ..ihrem tollen Umgang mit behinderten Mitschülern, bei denen sie im Laufe der Zeit unersetzlich wurde.




Gemeinsam mit Therapeuten, Lehrern und der Familie arbeiteten wir gemeinsam auf einen „akzeptablen“ Schulabschluss hin.




Letzten Sommer erlangte J. einen sehr guten Hauptschulabschluss.




Schon Monate vorher hatte ich begonnen ihr weitere Möglichkeiten zu eröffnen und fand einen betreuten Praktikumsplatz auf einem Demeter - Hof.


Dort war sie in der Woche untergebracht, ab Samstagmittag hatte sie frei, verbrachte die Wochenenden und Feiertage bei uns.


Da das JA die Zahlungen längst eingestellt hatte, mussten wir über alle Monate die teure Betreuung selbst zahlen.




J. war begeistert ..hatte schon in der Schule das Fach Gartenbau besonders gern.


Grobe Arbeiten lagen ihr ..je schwerer sie arbeitete, desto ausgeglichner war sie.


Sie fühlte sich „erwachsen und selbständig“…


Genoss die Zeit mit den anderen Jugendlichen.




Als sie dort im vier Monate arbeitete und lebte, lernte sie im Schwimmbad ihren ersten Freund kennen.




Die dazugehörige Mutter setzte unser Kind unter Druck, den Hof zu verlassen…doch lieber putzen zu gehen.


Sie sei doch nicht „behindert“. Sie brauche doch keine Betreuung.




J. fühlte sich unter Druck gesetzt ..rief uns Tag und Nacht an ..ich solle das der Mutter des Freundes doch sagen.




Nach einigen Tagen suchte ich das Gespräch mit der Mutter.




Diese jedoch hielt daran fest, das wir J. doch nie geliebt hätten und sie ihr nun zeige, was Liebe sei.


Zudem beschuldigte sie mich mehrfach telefonisch der Unterschlagung des Geldes, was die leibliche Mutter uns monatlich überweise.( LMacro_blue.gif ist seit 1999 verstorben ).


Und das waren noch die „schönsten“ Beschuldigungen.


Die anderen Primitivitäten möchte ich euch ersparen.




Kurzum wir erfuhren, dass eine Sekte dahinter steckte , der Mutter und Sohn angehören.




Unsere J. entschied sich gegen uns, wollte zu uns NIE wieder zurückkehren.


Per SMS teilte man uns mit, welche „Wertsachen“ wir ihr zu überreichen hätten.




Am 24.04 holte unsere PTacro_blue.gif mit ihrem „Freund“ ihren persönlichen Besitz bei uns ab ..sie war dreckig, stank und war ungepflegt.


Der Freund stand pfeifend am Auto und J. schleppte Säcke und Kisten.




Ich hab ihr noch einen letzten Satz mitgegeben :“ Nicht du musst schleppen und L. muss pfeifen, sondern du musst pfeifen und L. muss schleppen ..dann wirst du als Frau deinen Weg im Leben gehen!“




Sie schaute mich traurig an ..Tränen in den Augen…doch ihre Antwort war patzig:“ Er tut alles für mich!“




Ehrlich gesagt fiel es mir schwer, meine gute Kinderstube nicht zu vergessen und diesem Fatzke den Marsch zu blasen…aber ich hielt mich zurück.


Das war das letzte Mal, dass wir unsere PTacro_blue.gif sahen.




Bis heut wissen wir nur, dass sie ohne festen Wohnsitz und ohne Krankenversicherung ist.




Auch wenn es uns fast das Herz zerrissen hat, wir würden immer wieder so handeln.




Wir haben unser Kind jede Sekunde geliebt und tun es noch heute ..


Bettina



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