Pflegeeltern

  • Pflegeeltern sind Erwachsene, die ein Kind, mit dem sie in der Regel nicht leiblich verwandt sind, in Vollzeitpflege vorübergehend oder dauerhaft in ihren Haushalt aufnehmen.

    Pflegeeltern müssen den schwierigen Balanceakt schaffen, die Elternrolle für ein Kind zu übernehmen, das nicht ihr eigenes ist. Sie müssen dem Kind Sicherheit und Halt geben, ohne jedoch immer zu wissen, wie lange es bei ihnen bleibt. Von Pflegeeltern wird erwartet, dass sie das Kind auch wieder loslassen können, wenn sich die Situation in der leiblichen Familie innerhalb einer für das Kindesempfinden vertretbaren Zeit ausreichend stabilisiert hat oder eine andere Form der Unterbringung für das Kind gefunden wurde (letzteres gilt besonders bei Bereitschaftspflege).



    Pflegeeltern müssen damit rechnen, dass sich bei ihrem Pflegekind im Verlauf der Unterbringung in ihrer Familie körperliche, seelische oder geistige Auffälligkeiten zeigen, die zum Zeitpunkt der Unterbringung nicht oder nicht in dem Maß bekannt waren. Dies kann dazu führen, dass ärztliche oder therapuetische Maßnahmen erforderlich werden bzw. sich die Lebensplanung der Familie in erheblichem Umfang verändert.



    Pflegeeltern müssen das Kind mit den leiblichen Eltern "teilen". Sie sollen die Kontakte des Kindes zu seiner Herkunftsfamilie bejahen und unterstützen, sofern diese dem Kind nicht schaden. Dabei werden sie jedoch teilweise mit Wertvorstellungen und Handlungen von leiblichen Eltern konfrontiert, die sie möglicherweise nur schwer akzeptieren können. Pflegeeltern müssen sich einerseits emotional in die Lebenssituation der Herkunftseltern einfühlen können, andererseits aber auch ihre eigenen Bedürfnisse kennen und zu diesen stehen. Missstände dürfen sie nicht tolerieren oder ignorieren, sollten dabei aber auch versuchen, Hintergründe zu sehen und Folgen zu begreifen. In solchen Situationen enstehen häufig Widersprüche sowohl im Empfinden der Pflegeeltern als auch im Umgang mit den leiblichen Eltern, die nicht über das Kind ausgetragen werden sollten. Denn das, was Pflegeeltern über die leiblichen Eltern denken und fühlen, beeinflusst die Kinder in ihrer Identität und ihrem Selbstwertgefühl. Lehnen die Pflegeeltern die leiblichen Eltern ab oder empfinden sie als Störfaktor und Konkurrenz, fühlt sich das Pflegekind möglicherweise in seiner Identität als Teil dieser Familie in Frage gestellt. Dies erfordert von Pflegeeltern ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und die Bereitschaft, sich auf für sie neue Situationen einzulassen.



    Pflegeeltern müssen das Kind auf behutsame und altersgemäße Weise über seine Vorgeschichte aufklären. Das Kind sollte so früh wie möglich erfahren, dass seine Pflegeeltern nicht die leiblichen Eltern sind, dann kann es dies am besten verarbeiten. Doch bleibt diese "Aufklärungsarbeit" ein längerer Prozess, da sie dem kindlichen Entwicklungsstand und Auffassungsvermögen des Kindes angepasst sein muss. Auch hier ist großes Einfühlungsvermögen der Pflegeeltern gefordert.



    Pflegeeltern müssen, sofern sie eigene Kinder haben, lernen, deren Bedürfnisse mit denen der Pflegekinder in einer Weise abzustimmen, die allen Kindern gerecht wird. Konflikte zwischen den Kindern oder Auseinandersetzungen um die Rangordnung in der Familie sind dabei nicht immer vermeidbar. Sie sind leichter zu bewältigen, wenn die Eltern die Individualität und Besonderheiten jedes einzelnen Kindes erkennen und wertvoll finden und dies den Kindern immer wieder bestätigen.



    Pflegeeltern übernehmen mit der Aufnahme eines Kindes in ihren Haushalt eine verantwortungsvolle Aufgabe. Sie werden daher vor der Aufnahme eines Pflegekindes vom Jugendamt oder einem mit der Vermittlung betrauten Träger hinsichtlich ihrer Motivation, ihrer Wohn- und ihrer Lebenssituation, ihrer eigenen Grenzen und Möglichkeiten auf ihre Eignung hin überprüft und auf ihre Aufgabe vorbereitet und haben während des gesamten Pflegeverhältnisses Anspruch auf Beratung und Unterstützung des Jugendamtes.

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