Jährlich rund 4000 Kindesmisshandlungen – Gerichtsmediziner klagen an

  • Kinderschutz am Pranger – „ZDFzoom“-Dokumentation über das Versagen von Politik und Jugendämtern


    Jeden Tag werden in Deutschland Kinder gequält oder zu Tode geprügelt. Das Bundeskriminalamt zählt jährlich rund 4000 Opfer von schweren Misshandlungen. Experten gehen von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus. In der „ZDFzoom“-Dokumentation „Kinderschutz am Pranger – Gerichtsmediziner klagen an“, die am Mittwoch, 5. Februar 2014, 22.45 Uhr, zu sehen ist, begibt sich Reporter Detlef Schwarzer auf Ursachenforschung. Er will herausfinden, warum der Kinderschutz in Deutschland immer wieder versagt. ...



    Quelle, Rechte und weiterlesen http://www.cleankids.de/2014/0…mediziner-klagen-an/44852


    Der Bericht in der ZDf Mediathek http://www.zdf.de/ZDFmediathek…m-Kinderschutz-am-Pranger

  • Hallo,


    ich habe die Programmvorschau gesehen, leider alles viel zu spät und aufregend. Schon Aktenzeichen XY, reichte...


    LG peppi

    Was immer Du tun kannst


    oder erträumst


    tun zu können,


    beginne es.


    Kühnheit besitzt Genie, Macht,


    und magische Kraft.


    Beginne es jetzt.

  • ich danke den autoren für ihren Mut, damit in die öffentlichkeit
    zu gehen. es wurde zeit, dass es ganz laut benannt wird.


    die frage ist nur: wir geht die gesellschaft jetzt weiterhin damit um,
    was wird sich bewegen und was ist jeder einzelne bereit, dafür zu
    tun.

  • Hallo,


    endlich trauen sich Menschen öffentlich unverblümt darüber zu sprechen.


    Gerade im Hinblick auf das System Familienhilfe, dass es deren Job ist und sie damit Geld verdienen und von daher nicht zugeben wollen/können, dass die Kinder aus der Familie herausgenommen werden müssen - dann arbeitslos - oder damit zugeben, dass sie mit ihrer Hilfe versagt haben.


    Da werden misshandelte Kinder aus der Familie genommen und dann doch wieder zurückgeführt, da wer der Täter war, nicht festgestellt werden kann.


    Ich hoffe, dass durch diese klare Aussagen sich endlich etwas bewegt. Es waren keine Pflegeeltern die dort saßen, wo dann behauptet werden kann, dass sie nicht neutral sind.


    Grüße
    Sabine

  • Ich hatte gerade eine Empfehlungs-Mail mit dem entsprechenden Internet-Link auf diese Sendung von unserem Jugendamts-Chef...wow! :thumb:


    Sollte dieser engagierte und erschreckend offene Bericht in unserem hiesigen Jugendamt etwa Eindruck hinterlassen haben - wäre ja toll!

  • Zu dem Buch gabs hier doch schon einen Thread?


    Sorbe, ich denke, in 45 Minuten Sendezeit war nicht mehr "Tiefe" unterzubringen. Ich finde, es ist deutlich zum Ausdruck gekommen, daß sowohl JÄ als auch Medziner den jetzigen Zustand als nicht akzeptabel empfinden.


    Mehr war wohl nicht "drin"....

    Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand.
    (Arthur Schopenhauer, dt. Philosoph, 1788-1860)


  • :thumb: traurig, aber wahr, seh ich auch so.


    Liebe Gruesse


    Moni

  • Mir wurde heute von unserem JA-Chef ein offener Brief weitergeleitet, die er auf Grund seiner Info-Rundmail zu dem ZDF_Beitrag von einer Journalistin erhalten hat.


    Ich fand den Inhalt dieses offenen Briefes sehr kontrovers, aber trotzdem nachdenkenswert...leider kenne ich die Autorin, eine Dr. Marie-Luise Conen nicht (die wohl viele Jahre in der Jugendhilfe/Familienhilfe unterwegs ist und einige Bücher dazu geschrieben hat)


    Was haltet Ihr von Ihren Zeilen?


    Hat sie Recht? Oder verharmlost sie die Situation? ?(


    Hier der offene Brief an die Journalistin Frau Fletscher:


    mit Interesse verfolge ich Ihr Engagement als Journalistin bei sozialen Fragen und bewundere es, dass Sie als eine der wenigen Journalisten sich mit Fragen der Jugendhilfe und des Kinderschutzes bschäftigen. Ihr Artikel vom 31.1.14 ist mir Anlass Ihnen zu schreiben: Ich frage mich, ob ich in einem Land leben möchte, dass so viel Kontrolle und so viel Sicherheitsversprechen seinen Bürgern gibt, dass alle denken, dass dann ein Leben ohne Unglück, ohne Tod, ohne Mord und ohne Tötung von Kindern möglich sei.


    Vielleicht wird ja bald das Autofahren verboten, da jährlich 3500 Menschen durch Autounfälle zu Tode kommen?


    In den letzten 20 Jahren ist die Zahl der toten Kinder gleich geblieben. Dies ist ein Wunder angesichts der starken Zunahme an Verelendung von Kindern in den Familien und zeugt von einer stetigen Verbesserung der Arbeit von Sozialpädaogen und Sozialarbeitern, die mit diesen Familien arbeiten. Glaubt man wirklich, dass diesen ("Multiproblem"-)Familien, die am Rande der Gesellschaft stehen und am Rande ihrer Belastungsfähigkeit sind, hilft, indem die professionellen Helfer immer mehr beschäftigt werden mit der Kontrolle dieser Familien?
    Glaubt man wirklich, dass diese Kinderschutzhysterie hilft, den Eltern zu einem besseren Umgang mit ihren Kindern? Das Ausmaß an Kontrolle in den gesamten Hilfen zur Erziehung verhindert regelrecht, dass die wenigen Hilfen noch helfen können.
    Alle Beteiligten sind inzwischen mehr mit der Dokumentation "ihrer Arbeit" beschäftigt als mit den Familien selbst. Die Anzahl der Stunden pro Woche in den Familien liegt inzwischen bei 3-4 Stunden - und dies bei hochkomplexen und höchste Qualifikation erforderlichen Familiensystemen, will man dort etwas bewegen. Die Arbeitsbedingungen von ambulanten Helfern sind eine schlichte Katastrophe, von der Bezahlung angefangen bis zu den Rahmenbedingungen (u.a. keinerlei Bezahlung der Wegezeiten).


    Es ist daher nicht verwunderlich, wenn solche Arbeit wenig attraktiv ist und wer kann, dieses Arbeitsfeld verlässt. In den Jugendämtern werden wir in Kürze noch noch sehr junge Sozialarbeiterinnen haben, die bereits heute nach 1,5-2 Jahren das Handtuch werfen. Viele verlassen das Arbeitsfeld "Hilfen zur Erziehung", weil sie sich solchen Angriffen und dieser Kinderschutzhysterie, verbunden mit immer weiterem Ausbau von Kontrolle nicht mehr aussetzen wollen - obwohl und gerade weil sie gerne mit diesen Familien arbeiten. Sie sehen die Potentiale der Familien, sehen welche Entwicklungsschritte Menschen leisten können, wieder aus ihren Krisen oder aus ihren eingefahrenen Mustern herauszukommen. Sie kennen Konzepte und haben Ideen, was mit diesen Familien zu tun wäre, was möglich wäre -.... Aber sie sehen auch eine Gesellschaft, die diese Familien aufgeben hat.
    Man beklagt sich halt nur darüber, dass es dabei den Kindern schlecht geht. In dieser Stadt geht es vielen Kindern schlecht, aber die Politiker sind nicht bereit, dafür zu sorgen, dass es diesen Kindern besser geht - außer Kontrolle fällt ihnen nichts ein. Falls Sie daran interessiert sind, ich habe über 30 Jahre u.a. Sozialpädagogen und Sozialarbieter fort- und weitergebildet. Ich habe Konzepte entwickelt, wie mit diesen sehr komplexen, oft schwierigen Familien gearbeitet werden kann. Ich habe in deren Umsetzung gezeigt, dass es möglich ist, mit diesen Familien so zu arbeiten, dass sich Wesentliches in ihrem Umgang miteinander verändert.


    Ich habe mit weltweit berühmten Familientherapeuten ein Konzept zur Arbeit mit "unmotivierten Klienten" (die auch gerichtlich gezwungen werden) und dennnoch sehe ich, dass man in dieser Stadt politisch nicht gewillt ist, diesen Familien mit einer Veränderungsfördernden Haltung - und entsprechender Ausstattung personell, finanziell und haltungsmäßig zu begegnen. Dieser Staat hat seit langem diese "Multiproblemfamilien" aufgegeben! Ich habe meinen Verlag veranlasst, Ihnen mehrere meiner Bücher zukommen zu lassen (Link unten). Ich stehe Ihnen gerne für weitere Informationen oder auch ein Interview zur Verfügung (wie ich dies dem "Spiegel" gegenüber im letzten Jahr bereits getan habe).


    http://www.carl-auer.de/progra…&autor=W00738&stich=&art=


    Mit freundlichen Grüßen Dr. Marie-Luise Conen

  • Ich finde, Frau Conen trifft da etwas sehr wesentliches genau auf den Punkt: Es bringt uns nichts darüber zu schreien, wie schwer Kinder misshandelt werden, wenn wir gleichzeitig eine Gesellschaft schaffen, in der bestimmte Familien immer mehr ins Abseits gedrängt werden. Es bringt auch nichts, auf die Freien Träger zu kloppen - meiner Erfahrung nach machen diese hoch professionelle und wichtige Arbeit - solange Soziale Arbeit nicht wertgeschätzt wird und angemessen bezahlt wird. Nur mal so als Zahl: Pädagogen, die zB in der Familienhilfe oder ambulanter Betreuung arbeiten, verdienen ca 1400 für eine volle Stelle. Und eine volle Stelle bedeutet ca 45-50 Stunden mit extrem hoher Verantwortung. Wenn sie überhaupt noch fest angestellt sind. Die meisten arbeiten auf Honorarbasis - sprich ohne jegliche soziale Absicherung. Das ist mMn ein ziemliches Trauerspiel.


    Auch den Punkt, den Frau Conen erwähnt, dass ein Großteil der Arbeit ausschließlich aus Dokumentieren und sich absichern besteht erlebe ich genau so und finde es nicht tragbar. Inhaltliches Arbeiten kommt da echt zu kurz - es sei denn man widersetzt sich gewissen Vorgaben und nimmt dann - mal wieder - alles auf eigene Kappe.



    Gleichzeitig ist es wichtig, an dem Thema dran zu bleiben.
    Nur müssen wir aufpassen, dass wir nicht die falschen zu Schuldigen machen.


    Und nein, ich habe überhaupt nicht das Gefühl, dass sie die Situation verharmlost oder dass das ihr Motiv ist. Ich glaube eher, dass ihr Ziel ein Umdenken ist.

  • Zitat

    Original von Tikka
    Ich finde den Brief total daneben!
    Es geht schon los, dass sie Kindesmisshandlung mit Autounfällen vergleicht. [B]Furchtbar ignorant, dass sie glaubt, man könne mit dem passenden Konzept jeder Familie helfen.



    So sehe ich das auch. Und mehr Worte möchte ich nicht an diese Frau verschwenden!


    !

  • Ich finde, dass Augenmerk sollte auf die Kinder gehen. Klar, soll versucht werden den Eltern zu helfen, aber bitte nicht dabei die Kinder vergessen.


    Es muss früh Hilfen erfolgen. Keine Eltern können zu einer Therapie "gezwungen" werden, aber die Kinder bleiben dann trotz der Umstände dort, ob sie Ballerspiele, Pornos, mit Alkohol voll geschüttet werden, mit der Faust geschlagen werden, usw. Die Kinder können auch eingeschüchtert werden, wenn Besuch kommt oder vorher Pillchen bekommen. Tja und das muss erst einmal erkannt werden.


    Es muss sich insgesamt etwas ändern. Es muss mehr Geld in die Hand genommen werden.
    Die Jugendämter bzw. Sachbearbeiter sollten weiter geschult werden auch Richter. Die psychologischen Kenntnisse müssen m. E. vertieft werden, z. B. was ist ein Trauma, wie erkenne ich eine Trauma, wie erkenne ich Angst, lernen an der richtigen Stelle zu schauen (Kind macht sich vor Angst in die Hose), Misshandlung, Missbrauch usw.
    Es wäre doch toll, wenn es Helfer für die Eltern gäbe und auch Helfer für die Kinder. Meines Erachtens dürfen dieses nicht die selben Personen sein. Danach kann dann gemeinsam mit der Familie gearbeitet werden. Bis sich ein Kind traut zu öffnen wird oftmals dauern.
    Es ist doch auch so, dass die Familienhilfen Angst haben. Sie können auch bedroht werden. Kann man diese überhaupt noch alleine lassen? Ist es vielleicht ratsam, dass zuerst auch ein Arzt mitgeht?


    Jedes Kind/Mensch was zu Tote misshandelt wird ist zu viel. Dieses passiert meistens mit Absicht, ein Verkehrsunfall meistens nicht.


    Grüße
    Sabine

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