Aufruf der IGfH zur Abschaffung der Geschlossenen Unterbringung und freiheitsentziehender Maßnahmen

  • Aufruf der IGfH zur Abschaffung der Geschlossenen Unterbringung und freiheitsentziehender Maßnahmen in der Kinder- und Jugendhilfe


    Man kann nicht an `Heimkindern` das exekutieren, was ansonsten in der Gesellschaft mit Fug und Recht als verboten gilt, nämlich eine Erziehung mit psychischen und physischen Zwang.


    Aus diesen Gründen fordert die IFfH die ersatzlose Abschaffung aller freiheitsentziehender Maßnahmen in der Kinder- und Jugendhilfe!


    Es gilt das Recht durchzusetzen, in Freiheit erzogen zu werden!


    Quelle, Rechte und weiterlesen http://www.igfh.de/cms/stellun…ossenen-unterbringung-und

  • Ich bin etwas verwirrt von dem Link - geht es dort nun generell um eine Petition gegen geschl. Unterbringung und freiheitsentziehende Maßnahmen, oder geht es um die Heime der Haasenburg ? ?(


    Gibt es da genauere Infos ?


    Ich habe nämlich bisher die Erfahrung gemacht (und gedacht das ist allgemeingültig), dass es in Heimen (Wohngruppen) keine geschlossene Unterbringung und auch keine freiheitsentziehende Maßnahmen gibt............


    LG Monserat

  • Es gibt auch in Heimen freiheitsentziehende Maßnahmen!!!
    Und es gibt Kinder und Jugendliche, die freiheitsentziehender Maßnahmen bedürfen!
    Ja, und es gibt Kinder, zugegeben sicher nicht wirklich viele, die solche Maßnahmen sogar verlangen.
    Jede Art freiheitsentziehender Maßnahmen (dazu gehören neben Fixierungen auch abgeschlossene Türen) in Einrichtungen müssen richterlich genehmigt sein. Ohne eine solche Genehmigung dürfen sogar Psychiatrische Kliniken nur einmalig und in absoluter Krisensituation solche Maßnahmen ergreifen.
    In häuslicher Umgebung sind freiheitsentziehende Maßnahmen allerdings nicht genehmigungspflichtig.
    Es gibt schon Kinder mit massiven psychischen Störungen oder heftigsten Aggressionen oder Autoaggressionen - was sollte man mit diesen Patienten machen? 5 Personen abbestellen, die das Kind/den Jugendlichen rund um die Uhr festhalten? Aber das sind ja dann auch wieder freiheitsentziehende Maßnahmen.
    Es gibt einfach Menschen, die man vor sich selber schützen muss!
    Einzige Alternative: man macht nichts und schaut zu, wie sich diese Menschen (auch schon Kinder und Jugendliche) selbst zerstören!


    Sadiria

  • In der ehemaligen DDR gab es geschlossene Unterbringung von Kindern und Jugendlichen in Spezialkinderheimen und Jugendwerkhöfen.
    Ich gehe davon aus, dass es auch in der BRD geschlossene Unterbringung gibt. Zumindest gab es nach der Wende noch solche Heime.


    In der Öffentlichkeit ist davon aber kaum etwas bekannt.

  • Sadiria1 : Sind denn mit den freiheitsentziehenden Maßnahmen aus dem ersten Beitrag diese *schützenden*, sprich richterlich zu genehmigenden Maßnahmen gemeint ? Wenn ja, dann sollten sie doch wohl nicht abgeschafft werden.
    Diese Maßnahmen kenne ich, denn unsere PT brauchte einmal eine Fixierung auf der Intensivstation nach einem Suizidversuch und in der KJP wurde sie (wie fast alle Neuzugänge) 24 Stunden in einem *Time-Out-Raum* untergebracht.
    Jedoch später, als sie in eine intensivtherapeutische Mädchenwohngruppe kam, gab es keine solchen Maßnahmen mehr. (Manchmal hätte ich mir gewünscht, dass es dort abgeschlossene Haustüren gegeben hätte - diese hätten uns viele sorgenvolle Stunden und Tage erspart)
    @martin : Geschlossene Einrichtungen gibt es meines Wissens nicht mehr (außer diesem deutschlandweit einzigem *Kinderknast* in Hessen http://www.bild.de/regional/fr…rknast-20857196.bild.html) 1978 machte das letzte geschlossene Heim dicht.


    Ich kann immer noch nicht viel mit dem obigen Posting, bzw. mit dem dort genannten Link anfangen. Vielleicht meldet sich miwi ja auch noch, er stellte den Link ein, vielleicht weiß er ja Genaueres.


    LG Monserat

  • Zitat

    Original von miwi
    Hallo.
    so genau weiss ich das auch nicht.


    Nicht böse sein lieber miwi (ich will keine Kritik üben, nur nachvollziehen können) - aber warum stellst du hier Links über ein Thema ein, über welches du nicht *so genau* Bescheid weißt ?
    Wenn ein Admin einen solchen Beitrag einstellt, wird eventuell der Eindruck erweckt : Oh, wenn das ein Admin einstellt, dann muss das was *Gutes* sein und da werde ich mal schnell die Petition unterschreiben.


    LG Monserat

  • Ich bin nicht böse, und du darfst auch gerne nachfragen.


    Ich bekomme viele Informationen als Pressemeldung zugesandt. Unter anderem diesen hier veröffentlichten Link.
    Und da das ganze seriös aussah und auch eine Partnerschaft zu Bmffsfj bestand, habe ich den eingestellt.


    Jeder kann dann selber entscheiden, ob er dort mit zeichnet oder die Sache hinterfragt.


    Klar bin ich Admin, aber von der Brücke springen wirst du ja auch nicht, wenn ich das schreibe. :D :D


    Gruß
    Michael

  • Danke miwi für die Erklärung (und keine Angst - ich springe nicht, auch wenn ein Admin das hier schreiben würde ;))


    Auch im Link von Bibi geht es einzig um die *Haasenburg-Heime* - mir scheint es also weiterhin so, als wenn es um genau diese Heime und die Zustände dort zu gehen scheint und nicht um freiheitsentziehende Maßnahmen in Einrichtungen und Heimen.


    LG Monserat

  • Ich kenne so ein "geschlossenes Heim", eher eine Wohngruppe, für junge Mädchen. "Geschlossen" heißt in diesem Fall, daß die Mädchen zumindest anfangs das Heim/ die Wohngruppe und das Gelände gar nicht verlassen. Es gibt Schulunterricht im Gebäude, bei Bedarf kommen Ärzte und Therapeuten ins Haus...
    Der Tagesablauf ist streng getaktet, und mitunter werden die Bewohnerinnen auch in den Zimmern eingeschlossen.
    Besuch gibts nur nach vorherigem Antrag, unter Aufsicht im Besucherzimmer.


    Also, schon ein wenig wie "Knast light".


    Allerdings- in dieser Wohngruppe, es gab 6 Bewohnerinnen, mehr wäre auch nicht zu packen gewesen, glaube ich, waren Mädchen, die wirklich schon einiges an Aufenthalten in PF, Wohngruppen, Psychiatrien usw. hinter sich hatten. Und sie waren sehr jung. Also- allerletzte Möglichkeit.


    Die Bewohnerin, die ich kenne, war damals 12. Sie war nach richterlicher Anordnung dort- sie hatte in einer Schule für GB Kinder eine Mitschülerin in ihre Gewalt gebracht, ihr mit einem Pflasterstein so heftig mehrfach auf den Kopf geschlagen, daß Lebensgefahr bestand und die Mitschülerin bleibende Schäden zurückbehielt. Da war sie 9 oder 10 Jahre alt, genau weiß ich es nicht mehr. Und sie war ein eher kleines, zierliches Mädchen, damals.
    Um es sich vorstellen zu können- sie war so aggressiv, daß die Lehrer dieser Schule sich nicht in ihre Nähe trauten und ein Polizeieinsatz mit erheblichen Personalbedarf nötig war, um die Mitschülerin zu befreien.
    Ähnliches war bei den Mitbewohnerinnen vorgefallen- sie hatten als strafunmündige Kinder Straftaten begangen, für die bei Jugendlichen oder Erwachsenen ganz sicher ein Gefängnisaufenthalt erfolgt wäre. Mehrjährig.


    Bei der mir bekannten Bewohnerin stellte sich während ihres Aufenthalts dort raus, daß sie an einer Erkrankung litt, die Hirnveränderungen verursachte. Daher diese gewaltige Agression , quasi aus einer Nichtigkeit heraus. War Folge einer Masernerkrankung in der Kindheit.


    Ich wüsste nicht, wo man dieses Mädchen, zum Schutz von sich selbst und anderen, hätte unterbringen sollen. In der KJP war sie längst gewesen, sie war ja schon länger auffällig. Aber- selbst dort war sie "nicht tragbar".


    Es wurde schon nach den Ursachen gesucht, bei allen Bewohnerinnen. Und es wurde versucht, ihnen zu helfen. Es war also kein reines "Wegsperren".


    Ich habe mir die Petition durchgelesen...bin aber nach meiner Erfahrung da eher zwiespältig. Was soll mit Kindern und sehr jungen Jugendlichen passieren, die normale Familien, Wohngruppen, Heime "sprengen"? Man kann sie auch nicht sich selbst überlassen....

    Natürlicher Verstand kann fast jeden Grad von Bildung ersetzen, aber keine Bildung den natürlichen Verstand.
    (Arthur Schopenhauer, dt. Philosoph, 1788-1860)

  • Ich habe mich letztens mit einer Gruppe von Sozpäds darüber unterhalten, und wir waren der Meinung, dass das "Kleinstheim", so wie es Sasa beschreibt, und in dem die meisten Kids untergebracht werden, erhalten bleiben soll. Ich kenne aus meiner Arbeit auch Kinder, die man nirgend wo anders mehr unterbringen kann als in einer derartigen Wohngruppe.


    Das Problem ist die Massenunterbringung mit militärischem Drill und drakonischen Strafen wie aus dem vorletzten Jahrhundert, so wie die Haasenburg.


    In wie weit das die Petitienten anders sehen, kann ich nicht sagen.

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