Imagine

Abschlussbericht für Johny April 2020

oder wie John Lennon und die Beatles halfen nicht aufzugeben



It's easy.All you need is love“

so starteten wir im Rückblick jung, dumm und naiv in das Abenteuer „offizielle Pflegekinder“.


9 Monate nach der Anerkennung und viele zerschlagene Anfragen später kam er endlich, DER Anruf: „Guten Tag, wir haben hier eine 4Jährige für sie, es gibt nur ein kleines Problem, bitte kommen sie nächste Woche ins Jugendamt!“ Das „Problem“ war fast 2 Jahre alt und hieß Johny.


Das Fremdjungendamt fasste die Lebensgeschichte nüchtern in einem Satz zusammen: „Ein bisschen verwahrlost, ansonsten geht’s.“ Der Auftrag lautete: „Sie machen die beiden in 2 Jahren fit, dann können sie wieder zurück zur Mutter.“ Wir dachten damals, prima wir werden gebraucht und fanden es wundervoll, dass die Kinder eine Chance mit ihrer Mutter bekommen sollten und sie dafür nur ein wenig „fitter“ sein müssen.


Voller Vorfreude fuhren wir ins Kinderheim und erfuhren, dass das große Mädchen gerade im Krankenhaus war. Und dann zeigte man auf einen Buddelkasten, wo ein dünner kleiner Junge mit völlig ausgeblichenen Haaren in der prallen Sonne saß und nichts tat. Wir beobachteten ihn eine ganze Weile und voller Mitleid für den armen kleinen Kerl, der dort im Heim einfach nur vor sich hinstarrte beschlossen wir auf der Rückfahrt: „Den kleinen Kerl holen wir da raus!“ Als seine Schwester endlich aus der Klinik kam ging es ans Kennenlernen. Sie machte es uns sehr leicht, fuhr lachend auf einem Dreirad an uns vorbei und rief: „Hallo ich bin die Amanda, nehmt ihr mich mit?!“ Sie ging auch sofort fröhlich mit uns mit, Johny zeigte keinerlei Regung, kam aber auch mit.


Wir schenkten Johny eine kleine Holzeisenbahn zum Kennenlernen. So dauerte die Anbahnung nur wenige Besuche. Wir freuten uns darüber sehr, das Heim freute sich und auch die leibliche Mutter stimmte einer Pflege zu, war dies doch ein weiterer Schritt in Richtung Rückführung.


An Johny 2. Geburtstag zogen die Beiden bei uns ein. Aber bevor es nach Hause ging mussten erst einmal neue Schuhe besorgt werden, die der Kinder waren, wie sich im Laden herausstellte 2 Nummern zu klein. Eine kleine Sporttasche mit abgetragenen Anziehsachen in unpassenden Größen waren ihr ganzer Besitz nach 9 Monaten Heim. Die Holzeisenbahn hütete Johny von Anfang an wie einen Schatz.


Wir hatten beiden Kindern ein gemeinsames Kinderzimmer eingerichtet, sie hatten ja nur sich als feste Konstante in ihrem Leben. Sie sollten sich weiterhin Tag und Nacht Sicherheit geben. Zu Hause angekommen lernten wir die Kinder erst einmal wirklich kennen. Beide waren sehr angepasst, hatten ständig Hunger und waren schon bei kleinster Anstrengung erschöpft. Johny stellte sich immer im Flur an die Wand hinter die Kugelbahn und schaute zu, wie die Kugeln und Figuren ihre Bahnen zogen, die die anderen Kinder in Bewegung setzten. Er rutschte auch ständig beim Essen unter den Tisch, so wenig Körperspannung er. Baute man einen Turm aus Bausteinen, schaute er nur, nahm aber nie einen Stein in die Hand oder warf das Gebaute womöglich wie andere 2Jährige um.Wir versuchten alles Mögliche, um ihn aus seiner eigenen Welt zu locken, aber es dauerte Monate bis er überhaupt reagierte.


Er lief wochenlang einen großen Pezziball rollend den Wohnungsflur entlang. Wir wunderten uns damals, warum er ständig über den Wangen blaue Flecken hatte, bis wir bemerkten, dass er bei seinen Runden immer und immer wieder an der Kommode im Flur anstieß. Aufgeschnittene Tennisbälle halfen das Problem zu lösen, denn er änderte seinen Weg nicht. Eines Morgens fanden wir Johny mit komischen Punkten im Gesicht vor. Da wir uns diese nicht erklären konnten, fuhren wir direkt zu unserer Kinderärztin. Diese war sehr erschrocken, denn es handelte sich um Einblutungen, wie sie entstehen, wenn man keine Luft bekommt, wie wir von ihr erfuhren. Sie fand auch am Hals Würgemahle von kleinen Händen. Was für ein Alptraum, scheinbar hatte Amanda Johny in der Nacht völlig lautlos gewürgt. In den nächsten Monaten stellte sich heraus, warum sie so negativ auf Johny reagierte- die leibliche Mutter kümmerte sich bei den 3mal wöchentlich stattfindenden Besuchskontakten ausschließlich um Johny, er bekam ihre ganze Aufmerksamkeit. Wir ließen beide Kinder tagsüber nicht mehr aus den Augen und bauten ein Glöckchen an das Hochbett, um zu hören, wenn Amanda es verließ.


Tag und Nacht in ständiger Alarmbereitschaft waren wir schon fast froh, dass wir uns auf Grund einer „Kündigung nach Sozialplan“ nach kurzer Zeit zu Zweit 24/7 um unsere 3 Kinder kümmern konnten. Es stellte sich auch in den Gesprächen mit der leiblichen Mutter heraus, dass beide Kinder scheinbar schwersten Misshandlungen und Nichtversorgung ausgesetzt waren, dies erklärte einiges an den Verhaltensbesonderheiten, die nach kurzer Anpassungsphase massiv zum Tragen kamen. Johny aß zum Beispiel bis zum Erbrechen, um dann einfach ungerührt weiter zu essen, er zerkratzte sich das Gesicht, biss sich die Hände blutig, zerriss seine Bekleidung, hatte keinerlei Schmerzempfinden und zeigte viele schwer autistische Verhaltensweisen.


And in my hour of darkness She is standing right in front of me Speaking words of wisdom

Let it be“

Das für uns damals zuständige Fremdjugendamt, welches wir um Hilfe baten sagte nur: „Wenn sie nicht klarkommen, schicken sie die beiden einfach ins Heim zurück, dort waren sie unauffällig!“ Zum Glück hatten wir uns auf Anraten eines erfahrenen Pflegeelternpaares im Vorfeld schon eine Kinderpsychologin gesucht. Diese sollte in den nächsten 10 Jahren fest an unserer Seite stehen und auch Johny unterstützen ins Leben zu finden. Denn "Let it be" kann viele Interpretationen haben: "Lass es sein" aber eben auch "Nimm es hin", "Akzeptiere es", "Toleriere es"


Wir wussten, dass Johny verloren ist, wenn er weiter in seiner Welt gefangen bleiben soll und arbeiteten jeden Tag voller Eifer daran ihm die Welt „draußen“ zu zeigen, ihm Mut zu machen aufs Leben und ganz fest an seiner Seite zu stehen.


Just a boy and a little girl Tryin' to change the whole wide world Isolation“

Nach einem halben Jahr glaubten wir nicht mehr daran, dass die leibliche Mutter, die selbst mit ihren eigenen Problemen stark belastet war, es schafft mit 2 schwersttraumatisierten Kindern zu leben, denn selbst bei den Besuchskontakten zeigte sie auf Grund von Überforderung kindeswohlgefährdendes Verhalten. Oft mussten wir die Kinder vor der Zeit abholen. Das Jugendamt hielt an seiner Idee einer Rückführung fest und sich ansonsten aus allem heraus. So vergingen 1,5 harte Jahre täglicher Neuanfänge und Rückschläge aber auch minikleiner Fortschritte.


Johny begann einzelne Worte zu sprechen, wie ein kleiner Roboter. Er wurde von Tag zu Tag kräftiger und wenn er Bagger sah, geriet er sogar fast aus dem Häuschen vor Freude. Es stellte sich heraus, dass er grüne Dinge liebte, denn grüne Bekleidung wurde nicht zerstört, grüne Spielzeugautos hin und hergeschoben usw. Die leibliche Mutter hatte Angst, dass wir ihr die Kinder entfremden und verklagte uns auf Herausgabe. Das Jugendamt erschien nicht einmal zur ersten Anhörung.


Die Kinder mussten zum psychologischen Gutachten. Die Gutachterin war entsetzt, dass die Kinder, die ihr vom gegnerischen Anwalt als völlig normal entwickelte, fröhliche Kinder beschreiben worden waren solch massive Defizite und Auffälligkeiten zeigten. Auch hier war die Zusammenarbeit mit unserer Psychologin Gold wert, sie hatte eine lückenlose Dokumentation ans Gericht geschickt und bat inständig darum, dass beide Kinder endlich Sicherheit benötigen und ein festes sicheres zu Hause und Betreuungspersonen, die täglich intensiv pädagogisch mit ihnen arbeiten und sie vor allem so annehmen wie sie sind und hoffnungsvoll in die Zukunft investieren.


Es dauerte lange, bis endlich das Urteil feststand: „Verbleib in der Pflegefamilie, Sorgerechtsentzug und Bestellung eines Amtsvormundes sowie begleitete Kontakte einmal im Monat, damit die Kinder endlich zur Ruhe kommen können!“ Und dank des Gutachtens wurde endlich auch der sonderpädagogische Förderbedarf anerkannt.


Johny kam nach dieser Zeit in die Kitaacro_blue.gif zu seiner mittlerweile geliebten Pflegeschwester Lili, welche zum Glück für alle einfach nicht nur bildlich Johny rechts und Amanda links an die Hand nahm und so beiden einen Weg eröffnete die Welt zu entdecken jenseits der schlimmen Geschwisterrivalitäten.


You may say I'm a dreamer But I'm not the only one“

Voller Hoffnung und neuer Energie lebten wir jeden Tag im Hier und Jetzt. Der Umzug brachte nicht nur entspanntere Wohnverhältnisse, sondern auch dank des endlich anstehenden Jugendamtswechsels eine wirkliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe. Wir erfuhren endlich Beratung und Unterstützung und fanden immer ein offenes Ohr. Johny blühte regelrecht auf in seinem neuen grünen Reich, auch wenn natürlich nicht wie von Zauberhand alle Probleme und Verhaltensbesonderheiten verschwanden. Er fing an sich für Eisenbahnen zu interessieren und baute komplizierte Schienenführungen durchs ganze Zimmer, stellte seine Eisenbahnen ordentlich darauf und räumte alles wieder auf, um von vorn zu beginnen. Es war wahnsinnig schwer einen Schulplatz für ihn zu finden, schien er doch normal intelligent, aber eben doch besonders zu sein. So wurde er in eine Dehnklasse eingeschult und sollte dort in 3 Schuljahren die ersten beiden Schuljahre absolvieren.


Aber Johny gelang es nicht sich in die Klasse zu integrieren, er bekam ständig Fieber, welches wie von Zauberhand verschwand, wenn man ihn abholte. Er störte so massiv dem Unterricht, dass man ihm schon dauerhaft eine Schulbank vor die Schulklasse gestellt hatte. Zu dieser Zeit waren wir auf der Suche nach einer Erklärung der Entwicklungsbesonderheiten von unserm Jüngsten und stolperten dabei zufällig über die Diagnose Asperger Autismus. Die Beschreibungen der Verhaltensbesonderheiten lasen sich wie eine 1zu1 Beschreibung vom Johny. Vieles, was sich nicht oder nur unzureichend mit der schweren Bindungsstörung, die ihm bis dahin diagnostiziert worden war erklären ließ, schien auf einmal sonnenklar.


Die Picklergesellschaft, die wir daraufhin zur Beratung aufsuchten war begeistert davon, wie wir intuitiv sehr viele Dinge richtig für Johny strukturiert hatten und er so viele Entwicklungsschritte bereits nachholen konnte. In Wahrheit war es aber so, dass der strikte durchgetaktete Tages- und Wochenablauf unser aller „Überleben“ sicherte und wir durch den Kauf von grünen Dingen verhindern konnten, dass unser Familienbudget zum Fenster hinaus bzw. zur Mülltonne hineinflog. Mit der Diagnose gelang es auch das Schulamt davon zu überzeugen, dass Johny dringend eine andere Beschulung benötigt.


Wie so oft in unserem Leben verhalf uns ein Zufall zu einer perfekten Lösung: Zur Zeit der Diagnosestellung wurde an einer großen Schule eine Testklasse für Asperger Autisten eingerichtet. Dank intensivster Bemühungen war Johny einer von 3 Schülern, die mit 3 hochmotivierten Pädagoginnen das Pilotprojekt starteten. Johny ging nun gern zu Schule, auch wenn der lange Schulweg einen Transport notwendig machte. Da er anfangs nur wenige Schulstunden hatte, war er aber wie gewohnt mittags wieder zu Hause und genoss seine „grüne Welt“. Er zerlegte weiterhin alles nicht Grüne in seine Einzelteile, was dazu führte, dass sein Zimmer jahrelang nur sehr minimalistisch ausgestattet war und das Wohnzimmer zum Spielzimmer für alle wurde. Wir mussten uns auch damals nie Gedanken um Geschenke machen, da immer und immer wieder Kassettenrecorder und Co. neuangeschafft werden mussten.


Nobody told me there'd be days like these, Strange days indeed!“

Johny entwickelte eine Leidenschaft für die Notfallrettung, die soweit ging, dass er sich stehenden Fußes sein Bein brach, nur um einmal mit dem Rettungshubschrauber abgeholt zu werden. Wir hatten ihm leider erklärt, dass man mit dem Hubschrauber fliegen darf, wenn man sich richtig doll weh tut, aber vergessen zu erwähnen, dass man in 99% der Fälle dafür schlafen gelegt wird. Rasend wütend wurde er dann im Krankenhaus, als man ihm sein geliebtes Mollybahn-T-Shirt ausgezogen hatte. Als wir zu ihm durften brüllte er wie wild. Die Ärzte fanden uns empathielos, als wir erst einmal nach dem T-Shirt fragten, statt den armen Jungen zu trösten. 3 Sekunden später saß er strahlend im Molly-T-Shirt vor den erstaunten Ärzten. Das war der Moment, in dem wir beschlossen uns auf unser Bauchgefühl zu verlassen, auch wenn andere erst einmal nicht verstehen KÖNNEN warum wir bestimmte Dinge eben so tun wie wir sie tun. Wir versprachen ihm damals einen Hubschrauberflug, wenn er es schafft bis zum 12. Geburtstag keine selbstverschuldeten Unfälle mehr zu provozieren. Alle waren stolz dieses Ziel Jahre später erreicht zu haben und Johny abheben zu sehen.


Whenever you're in trouble Won't you stand by me? Oh, now, now, stand by me!“

Um seinen 12. Geburtstag herum versuchte Johny alles Erdenkliche, um unsere Liebe und Geduld auf die Probe zu stellen, er stahl z.B. seinem Busfahrer Zigaretten, um sie im Bad zu Hause zu rauchen, konnte sich aber wirklich nicht erklären, warum plötzlich eine Zigarettenkippe fröhlich im Lokus umher schwamm, in einem Nichtraucherhaushalt. Es waren schwere Zeiten, die Schule bemühte sich über alle Maßen Johnys Lernverhalten zu verbessern, er zündete dort Plakate an, nichts war sicher vor ihm und sein Unrechtsbewusstsein schien abhandengekommen zu sein, genau wie er eines Tages. Mehr als 24 Stunden war er weg, einfach spurlos verschwunden. Die Polizei war nicht wirklich hilfreich, suchte nicht einmal, sondern gab uns die Telefonnummer eines Beamten, den wir informieren sollten, wenn er wieder da ist. Wir veranlassten die Suche per „Berliner Fenster“ in der U-Bahn, jemand hatte ihn am S-Bahnhof gesehen und wir vermuteten ihn irgendwo beim Bahnfahren, die Leidenschaft für Züge hatte er sich ja all die Jahre bewahrt.Alle Freunde und Nachbarn wurden aktiviert und eher zufällig fanden Freunde ihn am nächsten Tag auf dem Weg zum Einkaufen ganz in der Nähe. Johny konnte nicht sagen wo er war und was er getan hat in den vielen, vielen vergangenen Stunden. Zum Verhängnis wurde ihm, dass in der Nähe 2 Kaninchen in der Nacht gestohlen worden waren und er nun plötzlich unter Verdacht stand.


Wenig später machte er sich nachts mit einem Rucksack voller Bücher auf dem Weg, um nach Rügen zum Molly zu trampen. Auf sein Schild schreib er „Stralsund“, kann ja sein, dass jemand nicht weiß, wo der Molly fährt. Er kam genau 2 Kilometer weit bis zum Kreisverkehr, dann hielt er das Schild einer Polizeistreife hin, diese brachte ihn schnell wieder heim. All diese und viele andere Vorkommnisse raubten unendlich viel Zeit und Kraft und wir bangten um die Zukunft von Johny. Die Pubertät stand ja noch bevor und wir hatten große Angst diese nicht gemeinsam überstehen zu können. Da erinnerten wir uns an den Hubschrauberflug und Johny sagte: „OK ich habe jetzt alles ausprobiert, ich hör auf damit Mist zu bauen und gehe weiter zu Schule!“ Wir versprachen ihm im Gegenzug einen Fallschirmsprung zum Schulabschluss.


Und wie durch ein Wunder schaffte er es wirklich ohne große Katastrophen durch die nächsten Jahre, erreichte sogar einen MSA in seiner Aspergerklasse, denn aus dem Pilotprojekt wuchs mit Johny erst eine Grundschule, dann eine Sekundarstufe mit 6 Kindern und 3 Pädagogen je Klasse. Johny bekam in den oberen Schuljahren Klassenlehrer, die mit großem Engagement nicht nur schafften den Lernstoff zu vermitteln, sondern auch richtig coole Jungs Events ermöglichten, vom Draußen schlafen beim Wandern und Klettern bis hin zur Floßfahrt und Autorennen mit ferngesteuerten Wagen. Diese Männer waren für Johny auch jeden Tag gute Rollenvorbilder und Mentoren auf dem Weg zum Erwachsenwerden.


Er wollte unbedingt auch unseren Familiennamen tragen und setzte dies mit Hilfe seines Vormundes auch gegen den Willen seiner leiblichen Mutter durch, die Angst hatte, dass später, wenn er 18 Jahre ist, ein fremder Name an ihrer Haustür steht, wenn Johny zurück zu ihr zieht. Sie brach für viele Jahre den Kontakt ab, nach dem Johny 18 Jahre alt war und sie versucht hatte vergeblich Unterhalt von ihm einzufordern. In dieser Zeit ging er auch mehrmals die Woche mit viel Freude zum Judotraining und absolvierte sogar eine Trainerassistenzausbildung. Bis zum Berliner Meister im G-Judo brachte ihn sein fleißiges und diszipliniertes Training. Da endlich mit 18 Jahren sein in der Herkunftsfamilie zertrümmertes Nasenbein gerichtet werden konnte, musste er eine lange Zwangspause einlegen, welche mit dem Ausbildungsbeginn endete. Aber auch aus Zeitgründen wegen der Ausbildung, die Priorität hatte, stellte er leider das Training ein.


Weil Johny in Sachen Bildung scheinbar ein richtiger Glückspilz ist, wurde sogar für ihn am Berufsbildungswerk die Ausbildung zum Fachinformatiker nach seinem ersten Jahr dort eingeführt, seinem Traumjob!


Before you cross the street Take my hand. Life is what happens to you, while you're busy making other plans“

In der Ausbildung benötigte Johny weiterhin noch sehr viel Unterstützung in der Alltagsorganisation und zwischenzeitlich fand er es sogar besser in der Bücherzelle seine Tage zu verbringen als bei der Ausbildung. Immerhin ging er nach Aufforderung immer brav morgens aus dem Haus und kehrte mehr oder weniger pünktlich zurück. Die Prüfung gelang im 2. Versuch nach einem halben Jahr Verlängerung der Ausbildung. Dieses halbe Jahr war ein Segen für Johnys gesamte Entwicklung, denn er reifte in dieser Zeit enorm nach und konnte sich so viel besser auf den Weg ins Berufsleben begeben. Mit viel Energie verschaffte sich Johny erst ein 2wöchiges Probearbeiten, um dann am 1.April 2020 seinen ersten Job anzutreten. Sein erstes Gehalt erwartet er mit viel Vorfreude zum „Tag der Arbeit“.


An dieser Stelle soll der Bericht enden, denn das Pflegeverhältnis ist hiermit beendet.


Johny ist in den vergangenen 21 Jahren zu unserem Sohn geworden, er hat uns zu seiner Familie gemacht und egal, wie verrückt die Zeiten noch werden und welche Täler und Berge seinen Weg säumen werden, wir sind immer für ihn da! Seine Holzeisenbahn ist das Einzige, was er nie zerstört hat, sie wird auch mit ihm ausziehen.


Und jetzt bleibt nur noch zu sagen:


Full speed ahead Mr. Boatswain, full speed ahead

Full speed ahead it is, Sgt.
Cut the cable, drop the cable
Captain.


As we live a life of ease
Everyone of us has all we need
Sky of blue and sea of green

In our yellow submarine

Und weil im Abspann immer die Danksagungen kommen, wollen auch wir all denen danke sagen, ohne die wir Johny bestimmt nicht so gut auf seinem Weg vom „zarten Weltentfremdeten“ zum echten „Pfundskerl“ hätten begleiten können:


Danke an

  • die leibliche Mutter, die es so viele Jahre geschafft hat, den Kontakt zu ihren Kindern wahrzunehmen, auch wenn ihr großer Traum der Rückführung nicht in Erfüllung gehen konnte.
  • Psychologin Frau Dr. Bern die uns 10 Jahre lang immer wieder Mut und Kraft gab.
  • Frau Dr. Krüger, die Kinderärztin an unserer Seite.
  • die Picklergesellschaft die bis zu ihrer Auflösung in Sachen Autismus immer beratend da war.
  • alle Pädagogen der Schule, insbesondere Frau Krause+ Frau Senker- die Frauen der ersten Stunde und Herr Paul und Herr Benz, die dann übernahmen bis zum Schulabschluss.
  • Frau Helm vom freien Träger, die als feste Konstante unsere Familie schon so lange berät und unterstützt und den notwendigen und von uns sehr geschätzten „Blick von außen“ behält.
  • alle beteiligten Vormünder, aber besonders an Frau Bartel, die Johny viele Jahre bis ins Erwachsenenleben begleitete.
  • die Mitarbeiter des ersten Heimat-Jugendamtes für die sorgfältige Überprüfung, die uns keine Zweifel aufkommen ließ, dass wir nicht als Pflegeeltern an sich geeignet sind, sondern nur die besonderen Umstände jeden hin und wieder an seine Grenzen gebracht hätten.
  • -die Mitarbeiter des jetzigen Jugendamtes, die uns den Glauben in das System zurückgaben und vor allem Frau Dame, die uns viele Jahre den Rücken stärkte, sowie an Frau Grau, die dank frischer unerschrockener Energie entscheidend dazu beitrug, dass das Pflegeverhältnis wirklich bis zur Verselbstständigung weitergeführt werden konnte.
  • unsere Freundin Sabine, die uns seit vielen Jahren als mütterliche Beraterin zur Seite steht und gerade in den schlimmsten Stunden immer für uns da war.
  • -die Schwarmwissen und seelischen Beistand leistenden unverzichtbaren Pflegeelternforumsmitglieder
  • alle anderen, die hier unerwähnt bleiben müssen, damit der Abspann nicht länger wird als der ganze Bericht

Zitat-Quellen: diverse John Lennon und Beatles Songs: Imagine, All you need is love, Beautiful Boy, Let it be, Stand by me (Version 75 JL),No body told me, Yello submarine



© pflegeeltern.de von Userin rainbowwoman