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Geschrieben von Reica am 15.04.2011 um 04:30:

  Kindesmisshandlung oder Irrtum der Behörde? Jugendamt gibt Baby an Pflegefamilie

Kindesmisshandlung oder Irrtum der Behörde? Jugendamt gibt Baby an Pflegefamilie

Friedberg (jw). Plötzlich ist das Kinderzimmer leer: Was im Sozialgesetzbuch als Inobhutnahme bezeichnet wird, kommt für die betroffenen Eltern einem Alptraum gleich. Sie wehren sich gegen »Behördenwillkür«, schimpfen über »legalen Kinderklau«. Das Jugendamt verweist bei solchen Fällen auf die schwindende Erziehungskompetenz überforderter Eltern und zieht die Reißleine, wenn der Verdacht auf Vernachlässigung oder Gewalt vorliegt. So wie im Fall der vier Monate alten Chantalle aus Friedberg.


Vor eineinhalb Wochen brachten die Eltern das Mädchen wegen Hautrötungen in eine Kinderklinik. Vier Tage später wurde ihnen verkündet, das Kind komme in eine Pflegefamilie. Laut Kinderklinik besteht »hochgradiger Verdacht auf Kindesmisshandlung«.

Chantalles Mutter Simone B. (alle Namen von der Redaktion geändert) und ihr Freund Dirk F. verstehen die Welt nicht mehr. Seitenlange E-Mails verschickt die 29-jährige Mutter an Zeitungen, tauscht sich im Internet mit anderen Betroffenen aus, hat einen Anwalt aus der Nähe von Nürnberg und einen Rechtsbeistand aus Düsseldorf kontaktiert, die sich auf Inobhutnahmen spezialisiert haben. Simone B. ist derzeit nicht berufstätig, hat früher in der Pflege gearbeitet, kennt sich mit medizinischen Fachbegriffen aus, zitiert Paragrafen. Und sie ist sich sicher: Ihr Kind ist krank, aber niemand hat ihm etwas zuleide getan.

Folgendes ist laut ihrer Darstellung geschehen: Chantalle ist eine Frühgeburt, hat sich nach anfänglichen Problemen aber gut entwickelt. Vor zwei Wochen sei das Mädchen sehr weinerlich gewesen. Als sich der Zustand nicht änderte, suchten die Eltern die Kinderärztin auf. Blut- und Urinwerte hätten aber keinen Befund ergeben. Der Urinbeutel habe allerdings auf der Haut im Intimbereich feuerrote Flecken hinterlassen, die am nächsten Morgen blau waren. Nach Rücksprache mit der Familienhebamme, die das Jugendamt dem Paar vermittelt hatte, wurde Chantalle ins Kinderkrankenhaus nach Hanau gebracht. Hier habe die Blutuntersuchung hohe Leberwerte angezeigt.

Vier Tage später wurden Simone B. und Dirk F. zu einem Gespräch ins Krankenhaus gebeten. Als sie dort ankamen, sei es »knüppelhart« gekommen: Die Ärzte und Mitarbeiter der Jugendämter Hanau und Friedberg hätten ihnen eröffnet, dass ihr Kind in eine Pflegefamilie komme, es sei bereits alles geregelt. Grund: die blauen Flecken. Simone B.: »Die sind der Ansicht, sie müssten das Kind vor uns schützen. Das Gespräch war schnell beendet. Das Kind war weg, und wir standen ohne Baby da.« Die Eltern vermuten als Grund für die blauen Flecken einen Gendefekt oder eine andere schwere Krankheit. Sie machen sich Sorgen um ihr Kind.

Sorgen um das Wohl des Kindes macht sich auch das Jugendamt. »Es besteht laut Auskunft der Kinderklinik ein hochgradiger Verdacht auf Kindesmisshandlung«, sagt Michael Elsass, Sprecher des Wetteraukreises. Mehrere Druckstellen seien festgestellt worden, unter anderem im Genitalbereich. »Das Jugendamt ist sich bewusst, dass der Entzug eines Kindes ein massiver Eingriff ist. Aber bei einem solchen Verdacht müssen wir handeln.« Zumal Simone B. für das Jugendamt keine Unbekannte ist. Vor der kleinen Chantalle hat sie zwei weitere Kinder zur Welt gebracht, bei denen ebenfalls eine Inobhutnahme angeordnet wurde. Das Sozialamt hat ein psychologisches Gutachten in Auftrag gegeben, das die Erziehungsfähigkeit der 29-Jährigen feststellen soll. »Wir handeln nicht leichtfertig«, sagt der Kreissprecher. »Das ist immer ein sehr schmaler Grad, auf dem wir wandeln. Das Kindeswohl muss im Vordergrund stehen.«.........



weiterlesen, quelle und rechte: http://www.giessener-allgemeine.de/Home/Kreis/Staedte-und-Gemeinden/Friedberg/Artikel,-Kindesmisshandlung-oder-Irrtum-der-Behoerde-Jugendamt-gibt-Baby-an-Pflegefamilie-_arid,253646_costart,1_regid,1_puid,1_pageid,80.html



Geschrieben von StellaFederspiel am 15.04.2011 um 04:55:

  RE: Kindesmisshandlung oder Irrtum der Behörde? Jugendamt gibt Baby an Pflegefamilie

Lieber zweimal zu früh getäuscht, als einmal zu spät reagiert.
Ich denke, dass es heutzutage nicht einfach für die Mitarbeiter der Jugendämter ist, in absolut jedem Fall wirklich angemessen zu reagieren. Es ist tatsächlich eine sehr schmale Gratwanderung, welche sie in solchen Fällen bewältigen müssen.

Mehr aktive Nachbarschaftshilfe und mehr Zivilcourage statt Klatsch und Tratsch hinter dem Rücken von Familien, die überfordert sind, würde die Arbeit auch der Jugendämter sicher erleichtern.
Doch da es leider viel häufiger so ist, dass in den dramatisch endenden Fällen von Kindesmisshandlung die Nachbarn "nie etwas bemerkt haben", statt präventiv sensibel auf Signale zu achten und zu reagieren, bleibt den Mitarbeitern der Jugendämter oft keine andere Möglichkeit, als so zu reagieren, wie hier im Artikel beschrieben.

Beste Grüße
Stella



Geschrieben von Naemi27 am 15.04.2011 um 13:36:

  RE: Kindesmisshandlung oder Irrtum der Behörde? Jugendamt gibt Baby an Pflegefamilie

Mmh... blaue Flecken, die erst rot und dann blau wurden und der Grund soll der Urinbeutel sein?
Keine Frage, es gibt sicherlich verschiedene "Gendeffekte", aber irgendwie klingt mir das hier sehr weit hergeholt.

Kindermisshandlung kann durchaus sehr präzise "diagnostiziert" werden und wenn ein Arzt von "hochgradigen Verdacht" spricht, dann wird es dafür einen Grund geben. Und irgendwie.... mmmh... wenn der Urinbeutel bei dem Kind solch offensichtliche Hämatome anrichtet, dann müsste doch eine solche "Überempfindlichkeit" schon aufgefallen sein... das Kind ist vier Monate halt... das Kind bewegt sich... es schlägt mit Armen bzw. tritt mit den Beinen doch auch mal gegen einen harten Gegenstand... da müsste ja die Reaktion der Haut (des Körpers) noch viel stärker sein als bei einem Urinbeutel.
Und wieso erhielt die Familie eine Familienhebamme durch das Jugendamt? Das ist doch auch niht Gang und Gebe...
Gut, es sind zwei weitere Kinder in der Familie, aber dennoch wird beim dritten Kind nicht automatische eine Familienhebamme eingesetzt...
Ich persönlich habe hier zuviele Fragezeichen als das ich der Geschichte der Eltern wirklich folgen könnte.

Ich finde es grundsätzlich schlimm, wenn Kinder aus Familien genommen werden, wo es keinen triftigen Grund für gibt.
Auch der These "Lieber zweimal zuviel als einmal zu wenig!" folge ich persönlich nicht. Es ist ein hochtraumatisches Erlebnis für die Kinder (und die Eltern), wenn sowas passiert. Daher darf das nicht passieren!
Und ganz ehrlich, ich möchte nicht in der Haut eienr Mutter stecken, der ihr Kind aufgrund einer Falschverdachtes genommen wird.


LG
Naemi



Geschrieben von la_merle am 15.04.2011 um 13:43:

 

Was mich stutzig macht: Dass bei den beiden anderen Kindern auch eine Inobhutnahme stattfand.
Das wird nur so in einem Nebensatz erwähnt; interessant wäre aber zu wissen, weshalb die beiden anderen Kinder aus der Familie genommen wurden. verwirrt



Geschrieben von kleene_paula am 15.04.2011 um 14:11:

 

wenn schon zwei Kinder in Obhut genommen wurden, kann ich verstehen, das beim dritten Kind noch genauer hingeschaut wird. Und das die Mutter medizinische Bildung hat, schließt ja leider eine Mißhandlung nicht aus.



Geschrieben von funkemariechen am 15.04.2011 um 14:51:

 

Ich möchte nur mal in die Runde werfen, dass ich es selbst schon bei einem Kind gesehen habe, dass durch den Urinbeutel eine ganz fiese Hautgeschichte entstanden ist, sah fast aus wie eine Verbrennung (Kind hat den Kleber des Beutels nicht vetragen). Hat ewig gedauert, bis sich die Haut erholt hat.
Allerdings: es sind keine blauen Flecken (Hämatome) daraus entstanden, die entstehen doch eigentlich nur durch "Gewalt"einwirkung, also Druck/Kräfte von aussen.



Geschrieben von Naemi27 am 15.04.2011 um 14:57:

 

Zitat:
Original von kleene_paula
wenn schon zwei Kinder in Obhut genommen wurden, kann ich verstehen, das beim dritten Kind noch genauer hingeschaut wird. Und das die Mutter medizinische Bildung hat, schließt ja leider eine Mißhandlung nicht aus.


Ich lese das so, dass die beiden anderen Kinder nicht davor, sondern praktisch zeitgleich mit dem Baby entogen wurden!


LG
Naemi



Geschrieben von StellaFederspiel am 15.04.2011 um 17:23:

  RE: Kindesmisshandlung oder Irrtum der Behörde? Jugendamt gibt Baby an Pflegefamilie

Zitat:
Original von Naemi27
Auch der These "Lieber zweimal zuviel als einmal zu wenig!" folge ich persönlich nicht. Es ist ein hochtraumatisches Erlebnis für die Kinder (und die Eltern), wenn sowas passiert. Daher darf das nicht passieren!
Und ganz ehrlich, ich möchte nicht in der Haut eienr Mutter stecken, der ihr Kind aufgrund einer Falschverdachtes genommen wird.


Hallo Naemi,
ich möchte auch nicht in der Haut einer solchen Mutter stecken. Noch weniger möchte ich jedoch in der Haut eines Kindes stecken, das seine Eltern verhungern ließen oder vor Wut an die Wand warfen (vor ein paar Jahren im Umfeld meiner Eltern geschehen) oder erschlugen oder erstickten oder ...
Ich bin Deiner Meinung, dass es nicht passieren sollte, dass Kinder aufgrund von falschen Verdächtigungen den Eltern entzogen werden.
Aber gerade deshalb plädiere ich dafür, dass das Umfeld sensibler und couragierter auf Signale achten sollte, aus denen hervorgeht, dass die Eltern möglicherweise überfordert sind und die Kinder gefährdet sein könnten. Wird hier rechtzeitig helfend eingegriffen, kann mit Sicherheit Schlimmes verhindert werden, oftmals ohne die Kinder zu entziehen.
Aber versetz Dich in die Lage einer JA-Mitarbeiterin, die vor der Wahl steht, im Zweifelsfall irrtümlich ein Kind zeitweise aus der Familie herauszunehmen oder das Risiko einer schweren Kindeswohlgefährung einzugehen. Wie würdest Du entscheiden.
Man kann immer von mehreren Seiten auf Verhaltensweisen schauen ...

Beste Grüße
Stella



Geschrieben von leasingmama am 15.04.2011 um 18:05:

 

Geht es hier um die gleiche Geschichte ? Lest doch mal


http://board.netdoktor.de/Impfungen/Leberwerte-erhoeht-und-oefters-blaue-Flecken-selbst-bei-Druck-158733.html

http://www.rund-ums-baby.de/kinderarzt/Unerklaerliche-blaue-flecken_309807.htm

Wenn es die gleiche Person ist sind die beiden älteren Kinder schon früher in Obhut genommen worden

http://www.123recht.net/forum_topic.asp?topic_id=242297&ccheck=1

Noch mehr Beiträge dazu in anderen Foren und bei Kalwass



Geschrieben von Sasa am 15.04.2011 um 19:12:

 

Also, ich denke, es könnte die gleiche Geschichte sein....

Ich hatte allerdings den Zeitungsbericht so gelesen, daß die älteren Kind nicht gleichzeitig in Obhut genommen wurden, sondern schon vorher.

Wegen dem Urinbeutel- ich kenne es von meinen Töchtern wohl, daß dieser Urinbeutel rote Flecken vom Klebstoff hinterlässt, bei ganz kleinen Babys auch so eine Art "Scheuerstelle" an den Oberschenkeln- aber blaue Flecken??

Andererseits- ich bin kein Mediziner, ich weiß zwar, daß bei Leberfunktionsstörungen Auffälligkeiten der Haut auftreten - so z.B. eine Gelbfärbung der Haut, oder "rote Pünktchen", ich glaube, die nennt man Petechien....Und- ich weiß nicht. Ich könnte mir vorstellen, daß das Krankenhaus zumindest nach der Inobhutnahme genau untersucht hat, ob die blauen Flecken von einem Gendefekt, einer Erkrankung oder einer Mißhandlung herrühren. Die Blöße, vor Gericht mit einem "Wir glauben an eine Mißhandlung, können sie aber nicht sicher beweisen" auftreten zu müssen, wird sich doch kein JA geben???



Geschrieben von peutetre am 15.04.2011 um 19:21:

 

kann mir bitte mal jemand erklären, was ein urinbeutel ist - und wann und warum sowas bei einem baby angewandt wird? ich steh da momentan echt auf dem schlauch.....



Geschrieben von Claudia-Kirsten am 15.04.2011 um 19:27:

 

Ein Urinbeutel ist ein kleiner Klebebeutel der bei Säuglingen und Kleinkindern die noch nicht auf Toilette gehen an bzw. um die Scheide bzw. den Penis geklebt werden um den Urin aufzufangen.

Es gibt bestimmte Untersuchungen wo man Urin braucht und dieser Klebebeutel ist sicher angenehmer als wenn mittels Katheder Urin direkt aus der Blase entnommen wird.

Solch ein Beutel wird z.B. geklebt wenn der Verdacht auf eine Harnwegsentzündung besteht.



Geschrieben von peutetre am 15.04.2011 um 19:48:

 

danke CK. die frage war vielleicht ein wenig blöd, aber sowas hatte bei uns niemand - von daher kenne ich das nicht.


ich bin bei der geschichte ehrlich hin- und her gerissen. einerseits steh auch ich auf dem standpunkt: besser zweimal zuviel als einmal zu wenig.
andererseits frage ich mich, ob sich jemand, der sein kind wissentlich misshandelt, hilfe und rat sucht? würde die mutter auf den einschlägigen kinderklau-seiten schreiben - dann hätte ich weniger zweifel. aber sie sucht hilfe in medizin-foren, schildert den fall aus ihrer sicht recht genau. deshalb kommen bei mir auch zweifel an der notwenigkeit der inobhutnahme auf.

trotzdem gehen meine gedanken auch in die richtung von sasa:

Zitat:
Ich könnte mir vorstellen, daß das Krankenhaus zumindest nach der Inobhutnahme genau untersucht hat, ob die blauen Flecken von einem Gendefekt, einer Erkrankung oder einer Mißhandlung herrühren. Die Blöße, vor Gericht mit einem "Wir glauben an eine Mißhandlung, können sie aber nicht sicher beweisen" auftreten zu müssen, wird sich doch kein JA geben???


wie gesagt - ich bin hin und her gerissen. und ich möchte nicht in der haut der SA stecken, die die herausnahme angeordnet hat.



Geschrieben von Stoffel am 15.04.2011 um 20:02:

 

Hallo Peutetre


zu den Urinbeuteln kann ich nichts sagen, aber zu deiner Frage, ob jemand wissentlich Hilfe sucht, wenn er seinem Kind vorher etwas angetan hat.

Das kann und muss ich leider ganz klar mit ja beantworten.

Eines unserer PK wurde von seiner Mutter mit 4 Wochen ins Krankenhaus gebracht, weil es so leicht blaue Flecken bekäme. Er war 4 Wochen zu früh geboren, also ziemlich zum eigentlichen Termin.

Dort wurden sehr schnell diverse Verletzungen festgestellt, Brüche, Knochenabsplitterungen, Hämatome usw. Ein Mutter die sich die folgenden Wochen gut um ihr Kind kümmerte, es besuchte und versorgte. Nach einigen Wochen durfte er wieder zu ihr um nur kurze Zeit danach erneut verletzt worden zu sein. Da kam es dann zur Inobhutnahme.

Es wurden 3 Gutachten erstellt von verschiedenen Kliniken, alle mit dem gleichen Resultat "Mißhandlung". Es gab 3 Tatverdächtige und so wurden die Ermittlungen nach ca. 1 Jahr erfolglos eingestellt. Keine Verhandlung, kein Anspruch auf Opferentschädigung.....ABER eine Mama, die ihn selbst in die Klinik brachte und die auch glaubte, was sie dort erzählte.

Heute, viele Jahre später kann sie manchmal darüber sprechen, befasst sich intensiv mit dem damals geschehen und hat seit der Inobhutnahme alles getan, dass es unserem Kind gut geht.

Ganz ehrlich, so leicht werden Kinder nicht in Obhut genommen, ich tendiere daher dazu diesem JA erst mal zu vertrauen, gerade weil unser Kind zurück musste und erneut Schlimmes ertragen musste.

Gruß
Stoffel



Geschrieben von leasingmama am 15.04.2011 um 20:33:

 

Zitat:
Original von peutetre

andererseits frage ich mich, ob sich jemand, der sein kind wissentlich misshandelt, hilfe und rat sucht?

wie gesagt - ich bin hin und her gerissen. und ich möchte nicht in der haut der SA stecken, die die herausnahme angeordnet hat.


Das möchte ich auch nicht, aber auf deine Frage kann ich dir ganz klar mit ja antworten.
In der Ansicht, dass die eigene Überzeugungskraft ausreicht.



Geschrieben von leasingmama am 15.04.2011 um 20:36:

 

Zitat:
Original von Stoffel

Das kann und muss ich leider ganz klar mit ja beantworten.

Eines unserer PK wurde von seiner Mutter mit 4 Wochen ins Krankenhaus gebracht, weil es so leicht blaue Flecken bekäme. Er war 4 Wochen zu früh geboren, also ziemlich zum eigentlichen Termin.

Dort wurden sehr schnell diverse Verletzungen festgestellt, Brüche, Knochenabsplitterungen, Hämatome usw. Ein Mutter die sich die folgenden Wochen gut um ihr Kind kümmerte, es besuchte und versorgte. Nach einigen Wochen durfte er wieder zu ihr um nur kurze Zeit danach erneut verletzt worden zu sein. Da kam es dann zur Inobhutnahme.

Es wurden 3 Gutachten erstellt von verschiedenen Kliniken, alle mit dem gleichen Resultat "Mißhandlung". Es gab 3 Tatverdächtige und so wurden die Ermittlungen nach ca. 1 Jahr erfolglos eingestellt. Keine Verhandlung, kein Anspruch auf Opferentschädigung.....ABER eine Mama, die ihn selbst in die Klinik brachte und die auch glaubte, was sie dort erzählte.


Gruß
Stoffel


Und dann gibt es die Kinder, die wieder zurückgehen zu den Müttern, da nicht eindeutig feststeht, wer die Verletzungen zugeführt hat



Geschrieben von TaTa am 15.04.2011 um 20:48:

 

Ja doch solche LE suchen dann "Hilfe" wenn sie denken es würd sonst Verdacht geschöpft oder sie sind zu weit gegangen. Auch mißhandelnde LE haben Sorge um ihr Kind auch wenn das von Außenstehenden schwer zu erkennen sein mag. Kaum ein Mißhandler tut es um das Kind lebensgefährlich zu verletzen glaube ich.
Es gibt LE die nach Abschluss der pol. Ermittlung nahezu wöchentlich "ins Gebet" genommen werden und trotzdem sehr überzeugend Wissen, Mitwissen oder gar Einwirkung auf das Baby abstreiten.
Obwohl sowohl Tatzeitpunkt fest steht, als auch die beiden als einzig in Frage kommende Täter in Betracht kommen sind sie der Überzeugung "das Kind lag schon so in der Wiege" (so: schwer verletzt mit Schnappatmung) und sie haben dann sofort den Krankenwagen gerufen weil sie natürlich besorgt waren. Alternativdiagnosen und Erklärungen woher die Verletzungen stammen könnten (Geburtsumstände wirken sich da 8 Wochen nachgeburtlich so massiv aus) etc. waren auch schon in petto.
Es sind sehr engagierte LE die aktiv Anteil am Kinderleben nehmen.

VlG Tanja



Geschrieben von Sasa am 15.04.2011 um 21:02:

 

Ich denke mal, viele Mißhandlungen geschehen aus einem Moment heraus, aus Überforderung- das Kind schreit ständig, der Partner ist genervt oder man ist 24 Std alleine mit dem Kind- weil da der Gaul durchging. Affekthandlung nennt man das wohl. Natürlich wissen diese Eltern verstandsmäßig ganz genau, daß sie absolut falsch gehandelt haben- wenn sie wieder "bei Verstand" sind. Dann wird der Rettungwagen gerufen und eben eine möglichst logisch erscheinende Geschichte erzählt. Eben, weil man sich schämt, weil man weiß, "sowas macht man nicht, wie kann man nur?"

Da braucht man schon eine gewisse Größe, ehrlich zu sagen: "Ich habe mein Kind geschlagen, weil ich nicht mehr konnte." Was die Wahrheit wäre. Dabei wäre das sicher eine echte Hilfe fürs Kind- wenn die Ärzte gleich wissen, was genau passiert ist...ohne lange suchen zu müssen.

Mir hat mal eine SB beim JA von ihrem ersten Fall als Familienhelferin erzählt. Sie war monatelang in der Familie, die LM war wirklich erleichtert, als sie sich für eine Dp ihrer Kinder entschied. Sie sagte auch wörtlich, Gott sei 'Dank, nun kann ich mein Leben wieder leben. Aber- in ihrem gesamten Bekanntenkreis jammerte sie und klagte sie, das böse JA hat mir einfach die Kinder weggenommen.....

Und dann gibt es, glaube ich, wieder LE, die die Wahrheit so erfolgreich verdrängen, daß sie irgendwann wirklich glauben, dem Kind niemals etwas getan zu haben....



Geschrieben von Naemi27 am 15.04.2011 um 21:53:

  RE: Kindesmisshandlung oder Irrtum der Behörde? Jugendamt gibt Baby an Pflegefamilie

Zitat:
Original von StellaFederspiel
Aber versetz Dich in die Lage einer JA-Mitarbeiterin, die vor der Wahl steht, im Zweifelsfall irrtümlich ein Kind zeitweise aus der Familie herauszunehmen oder das Risiko einer schweren Kindeswohlgefährung einzugehen. Wie würdest Du entscheiden.
Man kann immer von mehreren Seiten auf Verhaltensweisen schauen ...



Da gehe ich mit! Wenn eine SA keine eindeutige Entscheidung treffen kann, muss sie sich (oder sollte sie sich) für eine Inobhutnahme entscheiden. Wenn sich dann allerdings rausstellt, dass der Verdacht falsch war (und die SA mit den besten Absichten gehandelt hat), erwarte ich, dass das JA das Rückgrat besitzt den Fehler einzugestehen und das Kind ohne große rechtliche Schritte zu den Eltern zurückzugeben. Und an dem Punkt happert es leider oft. Das soll keine pauschale Aussage werden, aber auch mir sind Fälle bekannt, wo das JA -auch nach Aufklärung der Lage- praktisch Himmel und Hölle in Bewegung setzte um den Eltern doch noch irgendein Fehlverhalten nachzuweisen und somit das Vorgehen im Nachhinein zu legitimieren.
Nicht jede/r SA beim JA handelt tatsächlich im Sinne des Kindes (wohls). Es sind auch oft SA, die die Entscheidungen treffen Kinder, die in PF sicher gebunden sind zu den LE zurückzuführen und damit praktisch gegen das Kindeswohl verstossen. Das ist allzuoft nicht viel mehr als das Ausspielen von Macht auf dem Rücken der beteidigten Personen.
Und wenn wer auch immer (LE oder PE) auf diese Spezies JA Mitarbeiter treffen, wird es problematisch.
In der Masse gesehen sind es sicher einige WEnige, die "ihre Macht" so missbrauchen, aber leider sind es genau die, die dem JA einen solch schlechten Ruf einbringen.

LG
Naemi



Geschrieben von la_merle am 15.04.2011 um 23:18:

 

Ich bin auch hin und hergerissen.

Ich könnte mir vorstellen ... wenn die Mutter sich wirklich in einem Forum erkundigt hat, was die Ursachen für die Hautveränderung ihrer Tochter sein könnten, dann würde ich ihr das glauben, dass es ihr ernst ist und sie das Kind nicht misshandelt hat.

Andererseits kam mir aber ... sie könnte auch in einem Medizin-Forum nachfragen, was für eine Ursache die blauen Flecke haben könnten, um nachher bei dem realen Mediziner entsprechend argumentieren zu können, und dort dann mögliche Ursachen für die Hautveränderungen bereits anbringen zu können ... bzw. um für sich selbst abzuklären: Könnte es auch eine medizinische Erklärung für solche Hautveränderungen geben?
Um dann den Mut zu haben, einen Arzt aufzusuchen.
(Ich weiß nicht, ob ich meinen Gedankengang klar ausdrücken konnte.)

Für die zuständige SA ist es allemal wirklich eine sehr schwierige und heikle Entscheidung, und ich möchte nicht in deren Haut stecken. Denn, egal wie sie entscheiden, es könnte falsch sein, und eine Gefährdung für das Kindeswohl.


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