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Geschrieben von peutetre am 08.09.2008 um 20:59:

  Kindern das Gut und Böse erklären

Steffen Claus stellt sein Buch «Kinder in Gefahr» vor - ein Werk «in eigener Sache»

Aschersleben/MZ. "Nicht mit Fremden mitgehen", bläuen Eltern ihren Kindern ein. Doch das reicht nicht, findet Steffen Claus. Eigentlich müsste es heißen: "Geh mit keinem mit", denn nur fünf Prozent der Täter sind die "bösen Fremden", 35 hingegen kommen aus dem Wohnumfeld der Kinder und erschreckende 60 Prozent gar aus der eigenen Familie. "Die Täter werden zu Monstern stilisiert, aber man sieht keinem an, ob er gut oder böse ist", warnt der "Kinderpolizist", der kürzlich im Kriminalpanoptikum seine neueste Veröffentlichung vorgestellt hat.
Von der Leber weg

"Kinder in Gefahr" ist ein Buch in eigener Sache, sagt er, "frei von der Leber weg geschrieben, um über das zu sprechen, was mir notwendig erscheint." In der achten Lesung der Reihe "Tatort Kriminalpanoptikum" waren das der (sexuelle) Missbrauch an Kindern und kriminalpräventive Verhaltensempfehlungen, damit diese erst gar nicht zu Opfern werden.

Unbedingt agieren

"Mehr als 40 Kinder unter 14 Jahren werden pro Jahr ermordet", weiß Claus. Das Gros davon machen Verbrechen an Kleinkindern aus. Betroffenheit löst die Aneinanderreihung von Schlagzeilen im Zuschauerraum aus: Von der Mutter entsorgt gleich nach der Geburt, von den Eltern vernachlässigt, vergessen oder misshandelt, eine mitunter tagelange Qual, bis der Tod eintritt. Überforderung sei einer der Hauptgründe für die schrecklichen Taten wie finanzielle Sorgen.

"Eltern müssen keine Tests ablegen", merkt Claus an, wohl wissend, dass deren Verantwortung nicht erst mit der Geburt ihres Kindes beginne. Wer den Eindruck hat, ein Kind ist in Not, solle unbedingt agieren: die betroffene Familie ansprechen, Ämter oder Polizei informieren. "Es ist besser, einmal zu häufig nachzuschauen als einmal zu wenig. Ein falscher Verdacht lässt sich aus der Welt räumen", bewegt Claus zum Handeln. Doch er weiß: "Die Gesetzgebung gibt vieles nicht her." Nicht selten seien dem Jugendamt die Hände gebunden. "Die Politik ist gefordert, Bedingungen zu schaffen, dass Kinder nicht als Eigentum, sondern als Individuen begriffen werden." Deutschland sei kein Kinderland, betont er mehrfach, ganz im Gegenteil - Kinderfeindlichkeit zeichne sich ab. Fälle wie der der achtjährigen Michelle aus Leipzig würden im Gegensatz dazu etwa drei bis vier Mal pro Jahr eintreten. Statistisch gesehen seltener als in jüngster Vergangenheit. Meist plane der Täter sein Vorhaben nicht, sagt der Autor: "Gelegenheit macht nicht nur Diebe." Und wenn ihn dann die Reue packt, müsse das Kind sterben. Nicht selten, so merkt er an, ohne das Verhalten damit entschuldigen zu wollen, seien Täter selbst einst Opfer gewesen.

Es gibt Gut und Böse
Was tun also, um Kinder zu schützen? Ein Patentrezept kann es nicht geben, doch gibt Claus einige wertvolle Tipps, die Eltern und Erzieher berücksichtigen sollten. "Man muss die Kinder auf das Leben mit seinen vielfältigen Situationen rechtzeitig vorbereiten, ihnen die Welt so erklären wie sie ist - gut und böse", rät er. Nur so fühlen sich die Kleinen ernst genommen. Das Miteinanderreden über alles, was sie bewegt, sei das A und O. Die Hauptgefahr gehe keinesfalls von Sexualstraftätern aus, der Alltag berge jede Menge gefährlicher Situationen, die das Kind mitunter durchaus allein meistern muss. Es bewachen und Verbote aufstellen, bringe nichts. Man müsse den Nachwuchs dazu anhalten, offensiv in Erscheinung zu treten, das heißt, die Mädchen und Jungen sollten sagen, wenn sie etwas nicht wollen oder sich gar wehren - das mache nämlich nur jedes sechste Kind, so die Statistik. Und "weglaufen ist immer richtig", wenn es sich mit einer Gefahrensituation konfrontiert sieht.

Die Bücher von Steffen Claus können im Internet unter www.agentur-schutzengel.de
bestellt werden.

Quelle: http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&atype=ksArtikel&aid=1219676813717


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